Mit dem „Bekenner“ zum Geständnis
Hat der Bäcker das Brot zu teuer verkauft? Wer hat die Kasse des Schneiders geplündert? Oder natürlich auch die Frage: Wer ist für den
Mord an dem Reichstagsgesandten verantwortlich?
Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, würden zur heutigen Zeit Polizei, Staatsanwaltschaft und Richter ermitteln, um den Täter
dann in einer Gerichtsverhandlung zu überführen. Mitte des letzten Jahrhunderts erging es Tatverdächtigen in Regensburg hinein etwas
anders. Nach der Einführung des 1. Strafgesetzbuches konnten Verdächtigte nur dann überführt werden, wenn sie entweder von
mindestens zwei Zeugen entlarvt wurden, oder wenn sie selbst ein Geständnis ablegten. Um ein Geständnis zu erhalten, durfte in der
Folterkammer, unter dem Alten Rathaus, der sogenannten Fragstatt, nachgeholfen werden. Dabei reichte oftmals schon der Anblick der
Folterinstrumente, damit der Verdächtige seine Tat gestand. Wollte er aber nicht sprechen kamen der spanische Esel, der Bekenner, die
schlimme Lisl, die Streckleiter oder die Streckbank zum Einsatz. Die Folterung  wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein von einem Henker
durchgeführt, der neben dem Foltern auch einige weitere Aufgaben zu erledigen hatte. Er musste die Todesstrafe vollziehen und dann
auch als Totengräber fungieren. Sollte der Verdächtige, aber trotz tagelanger Folter nicht zu einem Geständnis gebracht werden, war es
die Aufgabe des Henkers die Wunden zu versorgen und den Heilungsprozess als Pfleger zu begleiten. Sein Beruf war also durchaus
anspruchsvoll, sein Ansehen eher gering.
Neben der Folterkammer konnten die Schüler der Klasse 7b der St.-Wolfgang-Mittelschule auch einen Blick in die daran anliegenden
Gefängnisräume werfen, wo die Verdächtigen, die Überführten, aber auch die zum Tode Verurteilten untergebracht waren. Einen
besonders tiefen Eindruck hinterließen dabei die rustikal ausgestatteten Erdlöcher, in denen die Straftäter der unteren Schicht ihre
Strafe absitzen mussten. Fraglich ist aber, ob es Verbrechern, die ohne Gefängnisstrafe davonkamen an Pranger und Schandgeige
besser erging, mussten sie doch den Hohn und Spott der Stadtbewohner aushalten.
Zwei Stockwerke über der Fragstatt und den Gefängnisräumen ging es schon etwas edler zu. Im Beratungszimmer der Reichsstände,
dank des Kachelofens wohlig warm, konnten weitreichende Entscheidungen für die Stadt und das Reich gefällt werden. Unter den
Augen von Athene, Caritas und Justitia, den Göttinnen der Klugheit, Barmherzigkeit und  Gerechtigkeit wurden Verordnungen für
Frieden und Wohlstand am grünen Tisch entschieden, Dabei sollten, gemäß dem Regensburger Stadtwappen, die Stadt und das Bistum
eng zusammenarbeiten und Beschlüsse nicht auf die lange Bank geschoben werden.
Der historischste Raum im Alten Rathaus ist aber mit Sicherheit der Reichstagsaal, wo während der Zeit des Immerwährenden
Reichstags von 1663 bis 1806 die Ständevertretung im Heiligen Römischen Reich tagte. Dabei darf man nicht den Fehler machen, den
Reichstag mit dem Bundestag zu verwechseln, denn dort saßen keine gewählten Abgeordneten, sondern von den Fürsten entsandte
Gesandte. Am ehesten lässt sich der Immerwährende Reichstag mit dem Bundestag vergleichen.
Mitte Mai machte sich die Klasse 7b auf den Weg ins Alte Rathaus von Regensburg, um den Reichssaal und die Folterkammer etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei war es ihre Aufgabe, im Rahmen des Projektes "Zeitung in der Schule" einen Artikel für die Mittelbayerische Zeitung zu verfassen. Dieser wird nach den Pfingstferien in der MZ veröffentlicht. Auf der Internetseite der MZ existiert er bereits (Link), genauso wie auf unserer Homepage! Viel Spaß beim Lesen!!!! Bilder findest du am Ende des Textes.