Zeitzeugengespräch mit Alexander Henryk Laks am 20.04.2015: "Meine Seele ist voller Narben“

Am 20.04.2015 fand in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg ein Zeitzeugengespräch mit dem Holocaust-
Überlebenden Herrn Alexander Henryk Laks und der Klasse 8c an unserer Schule statt.
Alexander Laks wird am 28. Oktober 1927 in Lódz´ (Polen) geboren. Die Familie engagiert sich auf Seiten der sozialistischen
Zionisten gegen den Antisemitismus in Polen. Mit elf Jahren erlebt Laks den unerwartet schnellen Einmarsch der Deutschen,
die Besetzung seiner Stadt und die sofortige Ermordung zahlreicher jüdischer Einwohner. Die Familie muss ins Ghetto ziehen.
Es gelingt ihr, sich vier Jahre lang vor den täglichen Selektionen in die Vernichtungslager in einem eigens gebauten Versteck
zu verbergen. Kurz vor der Räumung des Ghettos zwingt sie der Hunger, sich den Deutschen zu stellen.
Im August 1944 kommt die Familie in das KZ Ausschwitz-Birkenau. Henryks Stiefmutter, Tante und Großmutter werden in der
Gaskammer ermordet. Zusammen mit seinem Vater übersteht er einige Wochen in Birkenau und kommt dann in ein
Außenlager des KZ Groß-Rosen. Anfang 1945 wird auch dieses Lager aufgelöst und sie müssen zu Fuß auf einen Todesmarsch.
Mit einem Zug werden sie dann weiter nach Flossenbürg transportiert. Die hygienischen Zustände dort sind katastrophal.
Henryks Vater infiziert sich mit Ruhr und wird brutal erschlagen. Henryk selbst wird nach Offenburg gebracht, um in einem
Arbeitskommando Bombenschäden zu beseitigen. Als sich die Alliierten nähern, muss er wieder auf einen Todesmarsch. Die
französische Armee befreit die Überlebenden in der Nähe des Bodensees.
Für Alexander Henryk Laks folgt nach dem Kriegsende eine Odyssee durch mehrere Deportationslager. Schließlich gelingt es
ihm, Kontakt zu einer Tante in Brasilien aufzunehmen. Dort gründet er eine Familie. Er wird Präsident der Sherit Hapleitá, der
Gesellschaft der jüdischen Überlebenden des Naziregimes. An den gesundheitlichen Folgen der Haftzeit leidet er bis heute. Er
veröffentlicht mehrere Bücher. „Meine Seele ist voller Narben“, schreibt er in seinen Erinnerungen.  (Quelle: KZ-Gedenkstätte
Flossenbürg)
Mit einer eindrucksvoll positiven Lebenseinstellung und ohne Groll hat uns Alexander Henryk Laks in einem 90-minütigen
Gespräch einen einmaligen Einblick in seine Erinnerungen an den Holocaust gegeben. Während des gesamten Vortrags
konnten die Schüler Fragen stellen, die von Herrn Laks bereitwillig beantwortet wurden.
Er hat damit einen überaus wichtigen Beitrag gegen das Vergessen und für die Vermittlung deutscher Vergangenheit an
nachfolgende Generationen geleistet, für den wir sehr dankbar sind und der uns nachhaltig beschäftigen wird.